Mit ADHS erfolgreich im Beruf

Erwachsene, die von ADHS betroffen sind, besitzen Eigenschaften, die bei einem gesunden Menschen nur selten vorhanden sind.



Schnelle Auffassungsgabe


Viele werden diese Situation kennen: Man geht zum Einkaufen und steht dann ohne Einkaufsliste im Geschäft. Und dabei wurde einem aufgetragen auf jeden Fall noch dieses und jenes zu kaufen. Doch stattdessen kauft man etwas ganz anderes. Man fühlt sich so, als hätte man ein Gedächtnis wie ein Sieb mit extra großen Löchern.


Doch im Job sieht die gleiche Sache ganz anders aus. Oft bekommen erwachsene ADHSler nur einmal etwas gezeigt - und dann sitzt das sofort.


Der Grund dafür ist auch ganz einfach: Erwachsene ADHSler suchen sich die Jobs und Berufe, die für sie von persönlichem Interesse sind. Und das sorgt für eine stark erhöhte Motivation Vorgänge zu verstehen und sich selbst einzubringen.


Im Beruf ist die Leistungsbereitschaft eine völlig andere, als beim Einkaufen.



Originelle Problemlösungen


Viele ADHSler denken kreativ um die Ecke. Probleme sind für sie nur Umstände, auf welche sie reagieren müssen.


Es ist das logische denken und die geistigen Verknüpfungen die dem ADHS-Patienten oft zu schnellen und unkonventionellen Lösungen greifen lassen - die i.d.R. sofort funktionieren.



Der "Esel" ist immer dabei


Viele ADHS-Patienten haben im Verlauf der Jahre immer neue und ausgefeilte Vorgehensweisen Entwickelt, um mit ihrem ADHS selbst fertig zu werden. Viele dieser Maßnahmen werden von Außenstehenden gern belächelt - weil sie keine Ahnung haben.


Der Bildschirmrand ist gespickt mit Post-It`s, die aber oft einem ganz eigenen System unterliegen, welches nur der ADHSler entschlüsseln und verwenden kann.


Eselsbrücken für den Alltag sind bei ADHSlern sehr beliebt und dadurch weitverbreitet. Dabei ist es interessant zu beobachten, das beispielsweise Notizen nur einmal aufgeschrieben werden, dann aber nicht mehr verwendet werden. Was hier beobachtet werden kann ist etwas sehr faszinierendes: Durch die schnelle Auffassungsgabe sind Notizen eigentlich unnütz, aber zur eigenen Sicherheit schreiben erwachsene ADHS-Patienten trotzdem alles auf. Damit sie im Falle eines Falles wissen wo sie nachschauen können.


Und so hat jeder seine eigenen kleinen und großen Eselsbrücken die er in seinem Job anwendet.



Begeisterung für den Beruf wecken


Erwachsene ADHS-Patienten sind leicht für etwas zu begeistern. So sind auch langfristig angelegte Aufgaben oder Problemstellungen interessant genug, um sie bis zum Schluss zu verfolgen und erfolgreich abzuschließen.


Deutlich wird dies vor allem in technischen Berufen mit dem Schwerpunkt der Entwicklung oder Weiterentwicklung von Produkten. Getreu dem Motto "Geht nicht gibt es nicht" gehen sie mit Elan an die Arbeit.


Aber auch im kaufmännischen ist vergleichbares zu beobachten. Die Ausarbeitung von Statistiken und ihre Ergebnisse mit den zugehörigen Rückschlüssen können so interessant sein, dass sie schnell, sauber und übersichtlich ausgearbeitet werden - und dann auch vorgetragen werden.



Privat und Beruf sind zweierlei


Nur weil es privat bei ADHS-Patienten chaotisch läuft und oft aussieht wie beim "Hempels unter dem Sofa", kann man daraus keinerlei Rückschlüsse auf das Berufsleben ziehen. Denn das sieht oft ganz unterschiedlich aus.


Man darf diese zwei völlig verschiedenen Situationen nicht "in einen Topf werfen", sondern beides klar voneinander trennen.



Welchen Beruf wähle ich?


Es gibt nicht den ultimativen Beruf für ADHSler. Der Beruf - oder die berufliche Tätigkeit - richtet sich nach den eigenen Interessen. Alles andere ist in hohem Maße kontraproduktiv.


Problematisch ist es dann, wenn jemand einen Beruf gelernt hat, der ihn gar nicht interessiert. Doch hier gibt es einen interessanten Ausweg: Die Zeitarbeit. Denn die Zeitarbeit beschäftigt viele Menschen in Berufen, welche die Arbeitnehmer gar nicht gelernt haben. Eine Perspektive, die man für sich nutzen kann.



Nicht alle sind erfolgreich


Leider sind nicht alle ADHS-Patienten automatisch erfolgreich. Schicksalsschläge, Frust und schlechte Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt zerstören den Menschen - nicht nur ADHS-Patienten!


Grundsätzlich gilt: Unmöglich ist nur das, was wir nicht tun.



    Kommentare 1

    • Ein sehr interessanter Beitrag vor allem für die junge Generation. Sofern die Diagnose steht sollte munter Experimentiert werden, sofern keine klare Orientierung vorhanden ist.


      Ich habe meine erste Heimat in Technik und Handwerk gefunden. Natürlich war der Ausbildungsberuf ein ganz anderer und noch von der Berufsberatung in der DDR "zugeteilt".

      Nach einem mißglückten aber sehr kreativen Intermezzo als Selbständiger, wurde vor viele Jahren ein Beruf gefunden, der der Versorgung vieler Mio. Menschen dienlich und so extrem pfleglich für das Gewissen und Ego ist.

      Zusammen mit Naturwissenschaftlichen und Technikverliebten Inhalten ist meine kleine "Nerd-Insel" perfekt.

      Im Rückblick ist es der Gemeinnützigkeit der Berufe derer, die mir AD(H)S vererbten sehr ähnlich. (Gesundheitswesen, Energieversorgung, Feuerwehr, Polizei, ...)


      Warum ich das schreibe? Ich habe das Thema nicht direkt, sondern im Zick-zack-Kurs gefunden. Also tief in euch rein lauschen und versuchen (ggf. über Zeitarbeit) das Berufsbild zu ergründen.