ADHS und die Jobsuche Teil 2

Wo stehe ich mit meinem ADHS?


Eine ganz wichtige Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss: Wo stehe ich mit meinem ADHS?


Bin ich selbst in Behandlung, dann ist das ein Zeichen dafür, dass ich möglicherweise mit großen Schwierigkeiten rechnen muss, wenn es um meinen beruflichen Alltag geht. Denn wenn ich als ADHS-Patient in einer psychiatrischen oder psychologischen Therapie stecke, ist unter Umständen keine Kraft mehr für eine berufliche Tätigkeit vorhanden.


Wer in einer laufenden Therapie ist, der muss sich auch selbst eingestehen, dass er mit dem täglichen Leben noch nicht ausreichend klar kommt, und deshalb professionelle Hilfe in Anspruch nimmt. Ob man sich aus einer solchen Situation heraus nach einer dauerhaften Arbeitsstelle umschauen will, muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden.


Wer sein ADHS fest im Griff hat, der braucht auch keine Therapie - und kann neue Ziele in Angriff nehmen. Ein Ziel ist der Arbeitsplatz und der damit verbundene berufliche Erfolg. Wer diesen Punkt einmal erreicht hat, der verfügt über ein enormes Maß an Wissen über ADHS und kann sich dieses im täglichen Leben für sich einsetzen und vollumfänglich nutzen. Das gilt für den privaten Bereich als auch für den beruflichen Alltag.


Es ist also zwingend erforderlich, das jeder absolut ehrlich vor sich selber ist. Denn wer im Berufsalltag überleben will, der braucht ein dickes Fell. Denn der Arbeitgeber ist der Arbeitgeber, und kein Therapieplatz, den der Patient auch noch bezahlt bekommt.


Wer sich in dieser ganz zentralen Frage selbst belügt, startet unter einem schlechten Voraussetzung, die - wenn es dann ernst wird - vernichtend wirken kann.



Gibt es den ultimativen Beruf für ADHS-Patienten?


Den ultimativen Beruf für ADHSler gibt es nicht. Der Grund besteht schlicht darin, dass jeder Mensch - und das gilt auch für ADHSler - andere Interessen und andere Fertigkeiten besitzt, die er in seinem Beruf zum Einsatz bringen wird.


Trotz dieser Tatsache hält sich in einschlägiger Fachliteratur die Falschaussage, es gäbe bestimmte Berufe oder Berufsgruppen, die besonders für ADHSler geeignet seien. Hier ist eher das Wunschdenken und die persönlichen ideologischen Ansätze des Autoren oder der Autorin der Vater des Gedanken. In der Realität sieht das ganz anders. Doch damit haben "Experten" im Besonderen ein Problem.


Die Berufs- und Arbeitsplatzwahl darf auf keinen Fall aufgrund von Behauptungen aus einem ADHS-Ratgeber erfolgen. Hier haben wir schlicht die Situation, dass das Buch auf theoretischen und damit oft falschen Annahmen angefüllt ist, die auf den konkreten Einzelfall nicht übertragbar sind. Und angemerkt sei auch, das Buchautoren ihre Leser nur selten kennen.


Sache und Fakt ist, das jeder Mensch Vorlieben, Interessen, Fähigkeiten und Fertigkeiten besitzt. Und die berufliche Tätigkeit sollte mit genau diesen ganz persönlichen Eigenschaften übereinstimmen, oder diesen zumindest sehr nahe kommen.



Stärken des ADHS für sich nutzen


ADHS ist das Syndrom der Extreme. Und jeder weiß: Das meiste wirkt sich leider negativ aus. Deshalb muss man sich selbst erst mal darüber klar werden, was einen selbst ausmacht. Welche positiven und welche negativen Eigenschaften besitze ich, die unmittelbar auf mein ADHS zurückzuführen sind. Und wie kann ich diese in meiner beruflichen Tätigkeit zu meinem Vorteil nutzen und einsetzen.


    Kommentare 1

    • Hatte man seine zuvor nicht diagnostiziere Krankheit "fest im Griff" und erliegt ihr schließlich doch, kann die Frag auch im späten Berufsleben noch im Raum stehen.

      Wer sich hier die vergangen Jahre selbst beobachten gelernt hat ist im Vorteil.

      Mit etwas Hilfe und nicht zu viel Selbstmitleid ist bald eine neue Aufgabe (nicht nur ein Job) gefunden, die man mit Hingabe erfüllen kann.