ADHS in Paarbeziehungen

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.

Er sei abends bei der Rückkehr von seiner Arbeit ausgesprochen ungehalten, wenn er die Wohnung nicht in dem aufgeräumten Zustand vorfinde, wie er sie haben wolle. Ihr Mann explodiere leicht aus nichtigen Kleinigkeiten heraus, kritisiere die Kinder oft so hart, dass sie wirklich in Schutz nehmen müsse. Ihr Mann könne plötzlich den Einfall bekommen, dass dringlich in der Garage ein Regal zu bauen sei, erläutere ihr dann ausführlich, warum dies jetzt sofort sein müsse, besorge dann auch Material und fange mit dem Bauen an. Wenn dann aber etwas dazwischen komme, was im Alltagsablauf immer wieder passiere, scheine er aber die Lust zu verlieren. Wenn sie ihn darauf anspreche, dass er das doch Fertigmachen wolle, äußere er, dass er dazu jetzt keine Zeit oder keine Lust habe, solche Ideen führe er in den seltensten Fällen ganz aus. Er sei sehr empfindlich, wenn man ihn kritisiere, teile seinerseits aber herb aus, manchmal sei es ihr richtig peinlich, wie impulsiv ihr Mann Äußerungen auch in Gesellschaft von sich gebe, die in dem Moment nicht unbedingt angebracht seien. Unangenehme Schreibarbeiten schiebe er gerne bis zum aller letzten Moment vor sich her und werde sofort sehr verstimmt, wenn sie versuche ihn doch dazu zu bewegen, sich zu solchen Erledigungen die Zeit besser einzuteilen. Er wisse selbst, was zu tun sei und wolle nicht bevormundet werden. Manchmal wisse sie gar nicht, wie sie mit ihm umgehen solle.


Besonders schwierig sei ein Auskommen mit ihm, wenn bei einem Vorhaben mit der Familie plötzlich etwas dazwischenkomme. Wenn er auf etwas eingestellt sei, dann wolle er hier offensichtlich keinerlei Störungen haben. Auch hier neige er dann zu sehr ungehaltenen und auch oft ungerechten Äußerungen.


Als die Frau das erzählt hat, wusste sie noch nicht, dass ihr Mann auch betroffen ist (und er wahrscheinlich auch nicht...)


In einer Paarbeziehung, in der ein Partner ADHS hat, kann das Leben von Tag zu Tag ins Schlingern geraten und aus dem Ruder laufen. Das Syndrom kann eine Liebesbeziehung kaputtmachen und beide Partner am Boden zerstört zurücklassen. Wenn die Situation allerdings auf unmerkliche Weise reguliert wird, können die beiden Menschen zusammenarbeiten, statt uneins zu sein.


Wenn ADHS die Ursache von Partnerschafts- oder Eheproblemen ist, besteht entweder die Gefahr, das Krankheitsbild zu übersehen, weil die Probleme häufig ähnlich aussehen wie die anderer Paare. Oder man kommt nicht drauf, dass die Probleme mit dem ADHS zu tun haben könnten.


Nicht selten jedoch bringen die Symptome ein (Ehe-) Paar an den Rand der Scheidung oder Trennung.

Um den Teufelskreis zu durchbrechen ist der erste Schritt, gegenseitiges Verständnis zu schaffen.


Dies schafft die Möglichkeit, den "Kampf" aufzugeben und stattdessen zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen.


In einer Paartherapie kann es zum einen um das Erlernen von "Alltagsstrategien" für beide Partner gehen, zum anderen um das Verhalten im Hier und jetzt (z.B. sich Angewohnheiten abzugewöhnen), wie auch darum, alten Ärger und Wut zu überwinden.


Eine Partnerschaft zu stabilisieren, die schon länger unter den Symptomen litt, bedeutet harte Arbeit und vor allem beiderseitige Bereitschaft.

    Kommentare 2

    • AD(H)S in der Ehe. Eine echte Prüfung. ....für den nicht Betroffenen. Ohne Medikation ein Kraftakt und nicht selten eine Abwärtsspirale.


      Anders, wenn Beide betroffen sind. Hyper- mit Hypo-Typen können eine einmalige Symbiose eingehen und 2x hyper sind eben sehr "leidenschaftliche" Beziehungen.

      Sofern 2xHypo nicht an ihrem Umfeld scheitern kann auch das eine langlebige Konstellation sein.

      In jedem Fall haben die beschriebenen Beziehungen den Vorteil, das bei Beiden ein gewisser Grad an Verständnis herrscht. Man kennt die "Landkarte" des anderen und akzeptiert sie.



      "...mein Kind hat AD(H)S..." ist eine fast seltsamen Äußerung. Denn in aller Regel heißt es tatsächlich "Wir haben AD(H)S."


      Ich persönlich vertrete die Theorie, das kein Kind mit AD(H)S zur Welt kommt, wenn nicht mindestens aus einer der Erbstämme das Gen dazu vorhanden ist.

      Spätestens dann ist es höchste Eisenbahn BEIDE Eltern zu testen. Ich würde sogar noch einen gewagten Schritt weiter gehen. Steht nicht mindestens ein Elternteil an der Schwelle der Diagnose nach S3 oder wird als AD(H)S-ler diagnostiziert, dann ist ein Elternteil mit dem Kind nicht genetisch Verwandt... (Der Leser möge sich seinen Teil denken)


      Die Fülle der bisherigen Fachlektüre, lässt mich zum Schluss kommen, AD(H)S "entsteht" nicht, sondern ist bei den Betroffenen schon immer da und wird da bleiben.

      Lediglich Ausprägung und Schweregrad schwanken im Verlauf des Lebens und können bei der Reproduktion mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter gegeben werden, wobei auch dann Ausprägung und Schweregrad schwanken können.

      • Da gebe ich Dir vollkommen Recht! In unserer Familie haben mehr als 4 Personen ADHS und genauso viele haben das Asperger Syndrom. Bei uns ist Beides vertreten und 2 haben sogar die Diagnosen gekoppelt. Eine genetische Verbindung steht auf jeden Fall.