Ist Kinesiologie bei ADHS wirksam?

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Stellungnahme vom Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung (ISB):


Auszug aus dem 290.Arbeitsbericht 1997: Der "Edukinesiologie - ein neuer Heilsweg in der Pädagogik?" hat das Institut eine klare Absage erteilt. Im Vorwort schreibt Frau Dr. Frey-Flügge im Hinblick auf verhaltensauffälligen Kindern u.a. "Verständlicherweise greifen verzweifelte Eltern und Lehrer nach jedem angebotenem Strohhalm. Suggeriert dieser Strohhalm auch noch eine Wunderwirkung und bezieht sich obendrein auf eine wissenschaftliche Grundlegung, dann kann davon ausgegangen werden, dass das Angebot geht, oder gar ein Renner wird. Ein solcher Renner scheint zur Zeit die Kinesiologie zu sein (...) Was im Laufe der Zeit aus dieser Euphorie wird, bleibt im dunkeln; Misserfolge werden - wer will sie schon zugeben - nicht publik".


Der Bericht schließt mit folgenden Bemerkungen: "Bereits in Büchern der Kinesiologie selbst werden die vielen möglichen Einflüsse durch emotionale Faktoren, Situation, durch Berührung und Geräusche auf die Entspanntheit bzw. Verspanntheit der Muskeln beschrieben. Ein Nachweis dafür, dass der völlig subjektive Eindruck, ein Muskel sei stärker oder schwächer, etwas mit der Aktivität der Hemisphären zu tun hat, fehlt vollständig. Insgesamt kann daher von einer wissenschaftlichen Begründung der Methode im neuropsychologischen oder neurophysiologischen Bereich nicht die Rede sein. Es wird aber durch den Rückgriff auf entsprechende Ausdrücke und Behauptungen, dass man wisse, wie das Gehirn funktioniere, dieser Anspruch erhoben und dem Leser zu suggerieren versucht."


Die Kritik wird durch eine Stellungnahme des "Zentrums für Entwicklungsneurologie und Frühförderung" der Kinderklinik der Universität im Haunerschen Kinderspital (München) und des Landesverbandes Bayern für Körper- Mehrfachbehinderte e.V. untermauert.



Stellungnahme des Bundesverbandes für Aufmerksamkeitsstörung / Hyperaktivitaet:


"Die Pseudotherapie kommt dem aktuellen Ökotrend entgegen. Sie hat in der ADHS-Therapie nichts verloren. Sie kann kurzfristig Entspannung bringen und Konzentration fördern, aber leider das Symptombild bei ADHS nicht langfristig günstig beeinflussen. Außerdem muss man wissen, das die Kinesiologen keine akademischen Fachleute sind und den Betroffenen viel Geld kosten. Häufig wird sogar damit Argumentiert "ADHS heilen zu können" den Eltern die Kinesiologie "schmackhaft" gemacht.



Stellungnahme des ADS e.V.:


Gemäß der Vereinssatzung sind wir ein wissenschaftlichorientierter- und weltanschauungsneutraler Selbsthilfeverband, der sich ausschließlich als Interessenvertretung Betroffener und deren Familien versteht. Daraus ergibt sich, dass wir Kinesiologie nicht empfehlen können, da sie wissenschaftlich in nichts und durch nichts begründet ist, im Gegensatz zu wissenschaftlich gesicherten neurophysiologischen, neuropsychologischen und neurobiologischen Erkenntnissen steht und der Nachweis für die von den Exponenten der Kinesiologie behauptete Wirksamkeit in der Behandlung von ADHS bisher in keiner gesicherten wissenschaftlichen Studie erbracht werden konnte. Auch liegen uns bis heute keine überzeugenden Erfahrungsberichte von Mitgliedern unserer seit 1984 bestehenden Elterninitiative vor, die Anlass zu einer gegenteiligen Aussage geben könnten (Mitgliederstand: Bundesweit ca. 850Familien; Sommer 2001)


(Inhalt aus dem Jahr 2004)

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