Langzeitbehandlung mit Ritalin oder Medikinet sinnlos?

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.

Bereits seit Jahren wird gefordert, dass die medikamentöse Behandlung lediglich ein Baustein der Gesamttherapie darstellen soll. Nebenher sollen laufen Ergotherapie und Verhaltenstherapie. Dabei sollen die ADHS-Symptome durch Methylphenidat erheblich verringert werden, um dem Patienten die Möglichkeit zu geben, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, um die Defizite langfristig ohne medizinische Hilfe in den Griff zu bekommen.


Doch die Forderung verläuft im Sand. Das Hauptproblem besteht unter anderem darin, dass es viel zu wenige Therapieplätze gibt. Aber es gibt noch mehr Probleme - je nach Alter des Patienten.



Eltern von ADHS-Kindern sind gefordert


In den Weiten der Selbsthilfegruppen und Onlineforen ist die Tablette die erste Wahl - dauerhaft. Die breite Mehrheit der Eltern gibt ihren Kindern die Tablette, und belässt es dann auch dabei. Sie verlassen sich völlig auf die Meinung und Empfehlung anderer Eltern - die es auch nicht besser wissen.


Sind Eltern von ADHS-Kindern aufgrund des Mangels an Therapieplätzen aufgefordert therapeutische Arbeit zu leisten? Nein, es reicht, wenn Eltern die Erziehung übernehmen, und ggf. Schwerpunkte auf bestimmte Bereiche legen, bei denen Probleme bekannt sind.


Eltern müssen ihren Kindern "Werkzeuge" vermitteln, wie sie ihre ADHS-bedingten Einschränkungen ausgleichen oder sogar für sich nutzen können.


Die Tablette löst die Probleme nicht, aber sie kann in der Anfangsphase gute Dienste leisten. Aber sie kann die Erziehungsaufgabe der Eltern nicht übernehmen.



Pädagogen verweigern oft ihre Unterstützung


Pädagogen, dazu zählen Erzieher wie Lehrer, verweigern oft ihre Unterstützung und Mithilfe. Sie sehen sich eher in der Rolle des Diagnostikers, statt als Teil der Therapie.


Der Grund dafür ist auch klar. Denn ihnen wird durch die Eltern als auch durch die Selbsthilfevereine immer wieder suggeriert, dass die beste Möglichkeit die medikamentöse Therapie sei.


Dabei unterliegen sie jedoch einem Irrtum. Denn gerade durch pädagogisches Geschick ist eine medikamentöse Therapie erheblich seltener nötig. Doch dies erfordert vor allem das Bewusstsein, das man als ausgebildetes fachpersonal in Erziehungsfragen ein Teil der Hilfe ist, um die ADHS-Kinder in die richtigen Bahnen zu lenken.


Pädagogik ist kein Kinderspiel! Es ist eine wichtige Stütze der Eltern- und vor allem eine großartige Hilfe für das betroffene Kind, welches von ADHS betroffen ist.



Erwachsene verlassen sich auf die Medizin


Erwachsene Patienten, welche von ADHS betroffen sind, haben eine völlig falsche Vorstellung vom Arzt und der Therapie. Sie erwarten, dass durch die Einnahme des Medikamentes "alles automatisch geregelt" wird. Das ist schlicht falsch.


Gerade Erwachsene ADHS-Patienten müssen sich selbst motivieren und sich immer wieder zusammenreißen, um dem Alltag gerecht zu werden.


Von einem Kind kann man vieles einfach nicht erwarten oder verlangen. Von Erwachsenen jedoch muss man verlangen können, sich mit seinen Defiziten und Schwierigkeiten soweit auseinander setzen zu können, dass diese das Leben erheblich weniger beeinflussen.


Die Diagnose kann im Erwachsenenalter nur die Richtung angeben, aber am Ende muss sich jeder erwachsene Mensch selbst um sich kümmern. Eine Tablette kann hier gerade zu Beginn durchaus hilfreich sein. Doch eine Dauerlösung ist das nicht.


Hinzu kommt, dass es gerade auch für ADHS Erwachsene sehr leicht ist, an Tipps und Tricks heranzukommen. Das Internet bietet hier gigantische Möglichkeiten zu Selbsthilfe. Diese Möglichkeiten haben Kinder und Jugendliche nicht!


Von Infoseiten bis hin zu Internetforen ist alles da. Allerdings muss man sich immer darüber im Klaren sein, das es letztlich an einem selber liegt, sein ADHS in den Griff zu bekommen.


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    Kommentare 1

    • -nicht zu vergessen die vielen selbst betroffenen Eltern. Sie sind kaum in der Lage das eingene Leben zu strukturieren und zu steuern.

      Dann den Kindern stabilisierende Strukturen zu schaffen ist nicht möglich.


      Am Rande ADHS-Familien scheitern in der Regel an den heutigen gesellschaftlichen Normen. In der Zeit um 1000 Jahre zurück versetzt (was Evolutionsbiologisch ein Wimpernschlag ist) hätte die Erkrankung für alle Beteiligten keinerlei Relevanz oder sogar Vorteile.