Telefonberatung bei ADHS

Bei solchen "ADHS-Hotlines" kann / soll jeder anrufen, der sich mit ADHS beschäftigt. Also neben Eltern und Angehörigen auch Lehrkräfte, ErzieherInnen, Therapeuten und natürlich auch selbstbetroffene Erwachsene die von ADHS betroffen sind. Kurz gefasst: Jeder der will darf und kann anrufen. Dieser "Telefonsupport" soll vor allem als Informationsangebot betrachtet werden. Ferner aber auch als Krisentelefon.



Wer arbeitet als "Telefonseelsorge"?


Bei den Mitarbeitern der "ADHS-Hotlines" handelt es sich vor allem um Privatpersonen, die selbst mit ADHS zu tun haben. Nur selten erlebt man, dass sich am anderen Ende eine ausgebildete Fachkraft für Familienkrisen befindet. Denn die Regel ist, dass es sich um Freiwillige Eltern handelt, denen das Wasser oft selbst bis zum Hals steht.



Was kann das ADHS-Telefon wirklich leisten und wie sicher ist es?


Realistisch betrachtet kann es bestenfalls Denkanstöße geben, weil der Hintergrund (Wohnsituation; finanzielle Möglichkeiten; Familiensituation; etc.) nicht bekannt ist. Doch selbst die Denkanstöße sind mit Vorsicht zu genießen. Denn sie basieren auf dem Unwissen des Mitarbeiters der ADHS-Telefonberatung.


Eine persönliche Beratung setzt Vertrauen voraus. Und einer mir fremden Person, sage ich nicht alle Details aus meinem Leben oder meine ganz persönlichen Situation. Und das schon gar nicht am Telefon!


Das einzige was recht sinnig ist, ist, wenn das "heiße Telefon" eine Anlaufstelle vor Ort nennt. Das können Ärzte sein oder Therapeuten. Außerdem vielleicht noch einen Erstkontakt zu einer ADHS-Selbsthilfegruppe herstellen. ADHS-Selbsthilfegruppen treffen sich i.d.R. aber nur alle vier Wochen und sind daher für akute Krisen eher unbrauchbar.



Datenschutz am Telefon


Jeder kennt das: ... ich habe gehört, dass ... Wir tratschen alle mal gerne und erzählen was wir so gehört oder gesehen haben. Nicht viel anders sieht es beim ADHS-Nottelefon aus. Die nicht ausgebildeten ADHS-Berater und ADHS-Beraterinnen reden natürlich auch untereinander über die Gespräche die sie geführt haben.


Die ADHS-Hotlines geben i.d.R. keinen Aufschluss vor dem Anruf über den Umgang mit den persönlichen Daten. Und heute, wo jedes Unternehmen und jeder Verein einen großen Datenhunger hat, weiß niemand was mit den eigenen Daten angestellt wird und zu was sie später weitergenutzt werden.



Berater ohne Ausbildung und ohne Abstand


Doch auch für die ADHS-Berater und ADHS-Beraterinnen ist das Thema nicht ganz ungefährlich. Gerade wenn dieser Job von emotional vorbelasteten Menschen ohne berufliche Qualifikation gemacht wird, werden schnell falsche Entscheidungen als mögliche Lösungen empfohlen. Den Hilfesuchenden stürzen diese Entscheidungen vielleicht in eine noch schwierigere Situation als sie sowieso schon sind.


Ein guter Wille entschuldigt noch lange nicht die Empfehlung falscher Handlungen!



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