ADHS Modediagnose

Modediagnose ADHS


Die Behauptung ADHS sei nur eine Modediagnose spielt die Problematik der Krankheit herunter. Viele winken gleich ab, und meinen eh alles über ADHS zu wissen. Es wird bagatellisiert. Vor allem Eltern wird hier vorschnell unterstellt, sie würden sich viel zu wenig um ihr Kind kümmern, oder sie suchten nur nach einer Ausrede für mangelnde Erziehung.


Schon allein das Konstrukt aus "Mode" und "Diagnose" suggeriert ein völlig falsches Bild von ADHS. Mit "Mode" verbinden wir etwas Schönes, etwas, das unproblematisch ist. Das Wort "Diagnose" ist mit Eigenschaften verknüpft wie "Wahrheit" oder "Ergebnis". In Summe unterstellt der Begriff „Modediagnose“ also etwas "Schönes, Einfaches mit klarem Ergebnis".


Die Realität ist eine völlig andere. ADHS ist weder etwas Schönes, noch ist es einfach – und der Ausgang ist ungewiss. Und ADHS ist keine Erfindung, sondern eine echte ernst zu nehmende Krankheit, die nicht heilbar ist. Und ADHS ist etwas, das die Kinder von Geburt an haben und nie wieder loswerden. Nie wieder.


Die Kernsymptomatik kann sich verschieben. Aber man wird es letztlich nie wieder los. Und genau deshalb ist ADHS der tägliche Begleiter, den die betroffenen Kinder und Erwachsenen nicht zuhause lassen können.



Modediagnose führt zu Psychopharmaka


In hunderten von TV- und Printberichten – aber auch in Socialmedia Kanälen -, wird angeprangert, dass die „Modediagnose“ viel zu schnell dazu führt, dass Eltern ihren Kindern Medikamente geben, welche unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.


Liebe Presse, lieber Mob! Diese Eltern, von denen ihr behauptet, sie würden aufgrund einer „Modediagnose“ ihren Kindern vorschnell und unüberlegt Medikamente zur Ruhigstellung geben … diese Eltern gibt es in der Realität gar nicht.



Unbeteiligte kennen sich am besten aus


Besonders auffällig ist die schier grenzenlose Masse an Wissen über die „Modediagnose ADHS“ bei Personen, die selbst kein ADHS haben. Aber wenn die doch alles so gut wissen, warum liegen die selbsternannten Experten, deren Wissen unterirdisch ist, dann so oft falsch? (Ich entschuldige mich für den Sarkasmus)


ADHS ist eine Krankheit, die sehr komplex ist, und in allen Lebensbereichen eine Rolle spielt. Familie, Schule / Beruf, Freunde, … Und aufgrund der gemachten Erfahrungen des einzelnen ADHS-Patienten spielen psychische Probleme auch eine wichtige Rolle.


In Summe ist ADHS eine schwerwiegende Krankheit, für die es nicht umsonst auch einen GdB (Grad der Behinderung) gibt. Denn genau das ist ADHS. Eine Behinderung. Und Menschen mit Behinderungen öffentlich zu unterstellen, es wäre alles nur eine "Modeerscheinung die vorübergeht" ist nicht zu ertragen!



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    Kommentare 2

    • Früher ist was Böses im Kopf gewachsen, das Bein abgefault, eine Wucherung hat den Bauch bis zum Tot gebläht. Es wurde eben einfach gestorben.

      Heute weiß man von Krebs und fasst es eben unter diesem Begriff zusammen.


      Ähnlich verhält es sich bei AD(H)S.

      Statt das Kind immer wieder kräftig zu verprügeln, die nicht funktionierenden Erwachsenen einfach weg zu sperren, fragt man heute nach dem "warum" und findet die Variantenreiche aber im Kern gleiche Ursache.


      Subjektiv gehe ich nicht von einem Anstieg aus, sondern meine viel mehr, dass die Dunkelziffer sinkt und anders bezeichnete Krankheiten plötzlich den selben Namen bekommen.

      • Das hast Du schön geschrieben :-)