ADHS-Kinder: Grenzen setzen und Regeln aufstellen

Regeln sind in einer Gesellschaft wichtig, weil sie ein gesellschaftliches Zusammenleben überhaupt erst ermöglichen. Die kleinste Gesellschaftsform ist die Familie. Man nennt es hier aber selten "Regeln", sondern man spricht besser von "Erziehung". Aber eigentlich sind Worte und Bezeichnungen nur eine Frage des Standpunktes. Für ein besseres Verständnis bleiben wir hier bei dem Begriff der Regel.


Regeln können sinnvoll sein. Regeln können aber auch Unsinn sein. Andere Regeln wiederum sind von Kindern vielleicht gar nicht erfüllbar. Das gilt bei ADHS als auch ohne ADHS. Und genau diese Umstände machen es für Außenstehende praktisch unmöglich, wirklich gute Ratschläge zu geben. Egal ob man diese gutgemeinten Ratschläge von anderen Eltern bekommt, oder von "Erziehungsprofis" aus Familienberatungsstellen. Entscheidend ist immer die Situation in der eigenen Familie, und das, was das Kind auch umsetzen kann.


Regeln müssen also primär darauf basieren, dass das ADHS-Kind diese überhaupt begreift und auch dazu befähigt ist, diese dann umzusetzen.


Ob ein Kind eine Regel versteht und umsetzen kann, hängt nicht zwingend allein vom Alter ab, sondern vielmehr von der geistigen Reife. ADHS-Kinder hinken oftmals in der geistigen Entwicklung hinterher. Oft werden sie viel später Windelfrei als gesund Kinder. Auch werden Lernprozesse später gestartet. Viele ADHS-Kinder spielen trotz Grundschulalter oft bevorzugt mit Baby- oder Kleinkinderspielzeug, weil die Feinmotorik noch längst nicht weit genug ausgebildet ist.


Deshalb macht es oft auch Sinn, Regeln nicht mündlich abzusprechen, oder gar schriftlich festzuhalten. Besser ist es, Regeln als Gewohnheiten zu betrachten.


Beispiele:

  • Schuhe werden an der Haustür ausgezogen, und dann an einen festen bestimmten Platz gestellt. Man kann das als Regel definieren, oder es "einfach so leben".
  • Komme nach Hause, wenn es draußen dunkel wird, muss man mündlich als Regel definieren, die auch eingehalten werden muss.

Es gibt also Regeln, die man einfach umsetzt, und andere, die man klar definieren muss.


Wir sehen also, das es auf den ersten Blick für Außenstehende immer einfach ist, die Empfehlung für "Grenzen setzen" auszusprechen. Aber die Realität ist dann am Ende bei ADHS doch eine andere.


Fazit: Regeln: Ja! Grenzen setzen: Ja! Aber sie müssen vom Kind verstanden werden, und umsetzbar sein. Und einige Regeln sind "zu leben", andere sind klar zu definieren. Und manchmal lässt man lieber Symptomtoleranz walten, als auf die Einhaltung einer Regel zu bestehen.



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