Ganzheitlich arbeiten

Obwohl der ganzheitliche Erziehungsansatz etwas sehr Gutes ist, wird er in der Praxis so gut wie nie angewendet. Gewöhnlich scheitert es deshalb, weil das Umfeld nicht unterstützen will - oder kann. Viele glauben auch heute noch, ADHS sei eine Erfindung, eine Modekrankheit, oder etwas anderes. Genau das macht es dann so schwer, eine ganzheitliche Erziehungsarbeit zu leisten.


Gutes Gelingen setzt hier also ein soziales Umfeld voraus, welches sich über ADHS informiert hat. Das soziale Umfeld sind Freunde, Verwandte, Schule, Freizeitangebote wie z.B. der Fußballverein, etc. Auf dieser Basis können die Eltern dann sehr gut aufbauen.


Der Sinn dahinter ist folgender: Wenn alle wissen, dass das Kind an ADHS leidet, ist es möglich, eine andere Reaktion auf das Verhalten des ADHS-Kindes zu realisieren. Denn man weiß ungefähr, wie das Kind sich in welcher Situation verhält. Dadurch wird das Verhalten des Kindes vorhersehbar. Kann ich etwas vorhersehen, kann ich darauf anders reagieren, als wenn mich eine Situation spontan überrascht.


Beispiele

  • Das ADHS-Kind hat Konzentrationsprobleme. Es hat Schwierigkeiten damit an einem Thema dran zu bleiben. Wie kann die Schule reagieren, wenn sie von dem ADHS weiß? Sie gestaltet den Unterricht anders.
  • Wird ein ADHS-Kind zu einem Geburtstag eingeladen, und die Eltern wissen, dass das Besucherkind ADHS hat, kann die Geburtstagsfeier anders ausgerichtet werden. Beispielsweise mit Rückzugsmöglichkeiten, mit Bewegungsspielen, etc.
  • ADHS-Kinder sehen oft das Risiko nicht. Wenn ich eine Wandertour mache, behalte ich das ADHS-Kind bewusst näher bei mir, und achte besser auf sein tun. Es ist dann nicht überraschend, wenn das Kind stehen bleibt, vom Weg abkommt oder sich unwissentlich in Gefahr begibt.

Der ganzheitliche Therapieansatz ist also etwas, bei dem die Umwelt mit den Augen des ADHS-Kindes gesehen wird. Mitdenken und Mitfühlen ist hier gefragt.


Vor allem Krisensituationen lassen sich dadurch anders handhaben. Regeln sind beispielsweise wichtig. Auch für ADHS-Kinder. Aber nicht jede Regel ist ADHS-Konform. Was ist sinnvoll, was ist überzogen? Kann ich als Eltern auch - mal - über etwas hinweg sehen? Das bedeutet nicht, das man alles "treiben" durchgehen zu lassen hat, sondern gezielte Anweisungen gibt. Wichtig ist also auch zum Kind zu stehen und nicht gegen das Kind arbeiten.


Man könnte das auch anders zusammenfassen. Denn man könnte auch einfach die Frage stellen, ob man sein Kind kennt. In vielerlei Hinsicht muss man die Umgebung an das ADHS-Kind anpassen, weil sich die Kinder nicht an ihre Umgebung anpassen können.



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