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Kritik an ADHS: Informationen

Leon Eisenberg hat ADHS nicht erfunden

Seit einiger Zeit kursieren im Netz Geschichten über einen Psychiater aus den USA mit dem Namen Leon Eisenberg. In den zahlreichen Artikeln wird behauptet, er hätte auf seinem Sterbebett gebeichtet, es gebe ADHS überhaupt nicht.

Lassen wir die Fiktion mal weg, und betrachten den Mann als das was er ist bzw. war: Arzt.

 

Leon Eisenberg - der Vater von ADHS?

Leon Eisenberg war ein Kinder- und Jugendpsychiater. Auf seinem Gebiet galt er als Koriphähe und schulte sogar andere Ärzte zum Thema "verhaltensorientierte Forschung".

Er war damals sehr faszieniert vom kindlichen Geist und wollte mehr Wissen. Und so beteiligte er sich in den 50iger und 60iger Jahren an wissenschaftlichen Studien. Diese beschäftigten sich ausführlich mit den Themen Autismus und ADHS - letzteres kannte man unter Namen wie z.B. "Hyperkinetisches Syndrom", kurz HKS oder auch POS (Psycho-Organische-Störung). Er galt als der Experte auf seinem Gebiet und forschte viele Jahre.

Anfang der 50iger war er einer der ganz wenigen, welche sich von den Fesseln der freudschen Psychoanalyse befreite. Sie dominierte zu dieser Zeit alle andere Denkmodelle. Er ging sogar soweit, das er öffentlich äußerte, das psychische Probleme durch Einwirkung von außen entstehen können.

Sicher werden hier einige lächeln, aber wir dürfen nicht vergessen, was das damals für eine Zeit war. Kurz nach dem Krieg und Mitte des letzten Jahrhunderts waren die Menschen noch nicht so weit und so frei wie heute. Zu seiner Zeit sah es sicherlich so aus, als wäre der Mann unseriös und "von allen guten Geistern" verlassen. Letztlich hat er nur ein anderes Kapitel des menschlichen Geistes erforscht.

Fakt ist, das er aufgrund seiner neuen Forschungsergebnisse auch Beweise für seine Theorien vorlegen konnte. Wie aus den Recherchen hervorgeht, führte er auch Studien durch, welche die Wirksamkeit von Methylphendiat (Handelsname Ritalin / Medikinet / etc.) bestätigten.

Und genau diese Ergebnisse werden heute so ausgelegt, als sei er der "Vater der Erfindung von ADHS". Ein Stück weit ist diese Behauptung sogar richtig. Und dies insofern, als das er einer der ersteren war, der sich mit dieser Patientengruppe wissenschaftlich beschäftigte. Er erfand also keine neue Krankheit, sondern definierte und erforschte ein Verhaltensmuster bei Kindern. Er erforschte Kinder mit Entwicklungsproblemen und ihre Zusammenhänge.

Der Kinder- und Jugendpsychiater Leon Eisenberg betrieb das, was man heute unter dem Begriff Grundlagenforschung kennt.

 

ADHS gibt es nicht

Seine Forschung hatte aber auch eine Kehrseite. Denn infolge von entsprechenden Publikationen nahmen die Diagnosen sprunghaft zu. Es gab immer mehr Kinder, bei denen ADHS festgestellt wurde. Hier zweifelte der erfahrene Mediziner an den Diagnosen - zu recht.

Ein kurzer geschichtlicher Ausflug: Es gab zu jener Zeit - in den 60iger Jahren - nicht nur Leon Eisenberg mit seinen Erkenntnissen und Publikationen um ADHS. Es gab auch noch die neue Form der Erziehung. Wir kennen sie alle, oder haben zumindest schon mal davon gehört: Die antiautoritäre Erziehung.

Obwohl die antiautoritären Erziehung eine theoretisch begründete Erziehungsphilosophie ist, einschließlich pädagogischer Ziele, Normen und Leitbilder, wurde sie oft kritisiert. Mal lauter, mal weniger laut. Die antiautoritäre Erziehung hat nicht zum Inhalt, dass das Kind alles darf oder alles tun und lassen kann was es will - es wurde jedoch sehr oft genau so umgesetzt.

Und weil das früher so ausgelegt wurde, hatte man viele Kinder, die ADHS-Symptome zeigten, aber kein ADHS hatten.

Leon Eisenberg hat auf dieser Grundlage in einem Interview gesagt, das seine Erkenntnisse über ADHS überschätzt würden. Und bei vielen Kindern würde man heute (also in den 60igern) ADHS sehen und schnell Medikamente geben. Man wäre besser zu den Familien nach Hause gegangen. Dort würde man die Ursache finden, warum die vielen Kinder eine falsche Diagnose bekommen hätten.

Fakt ist, dass die Kinder damals durch den "antiautoritären Erziehungsstil" der Eltern psychische Probleme entwickelten. Doch dies war nach damaligem Stand der Wissenschaft nur schwer zu beweisen. So blieben die ehrwürdigen Mediziner damals lieber bei der freudschen Psychoanalyse ... war einfacher und man musste nicht selbst denken.

Aber genau jene Äußerungen werden heute so ausgelegt, als habe er gestanden, dass es ADHS nicht gibt. In Wahrheit hat er eine Problematik angesprochen, die wir aus der heutigen Zeit nur zu gut kennen: Eine sichere Diagnose ist schwer zu bekommen. Und der Vorwurf, es würde zu schnell Ritalin, oder Medikinet, etc. (Wirkstoff Methylphenidat) verschrieben, hält sich bis heute sehr hartnäckig.

Trotzdem ist es gerade jener Vorwurf, der uns daran erinnert, genauer hinzusehen. Nicht einfach alles "hinnehmen" und sich immer wieder bewusst machen, dass man selbst vieles ändern kann. Und bei einigen ist eine medikamentöse Behandlung nötig, wenn ein echtes ADHS sicher diagnostiziert wurde.


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