ADHS und die Pflegestufe bei ADHS-Kindern

Besuch des MDK bei ADHS


Der „Medizinische Dienst der Krankenkasse“ (MDK) kommt zu den Patienten nach Hause, um die Lebensumstände, die Alltagsprobleme zu prüfen und natürlich um die Person, um die es geht, kennen zu lernen. In Summe wird daraus ein Gutachten erstellt, aus dem dann die Pflegestufe abgeleitet wird.


Von vielen Eltern wird der Besuch vom MDK wie eine Prüfung empfunden, die es zu bestehen gilt. Wer die „Prüfung“ besteht erreicht aber nichts. Die eigentliche „Prüfung“ ist die Ehrlichkeit der Eltern. Das wichtigste bei solch einem Besuch ist es nämlich, ehrlich zu sein.


Wenn beispielsweise ein 8-jähriger die Schleife seiner Schuhe nicht selbst binden kann, ist das wichtig. Ein wichtiges Kriterium ist auch, ob sich das Kind alle anziehen kann, oder ob es dabei Hilfe braucht.


Ehrlichkeit bedeutet auch, dass ein ADHS-Kind, welches noch Windeln benutzt, beim MDK nicht als „sauber“ durchgehen darf. Mag sein, dass das unangenehm oder sogar peinlich ist, aber es ist ehrlich.


Ebenfalls wichtig ist die geistige Entwicklung. Wenn sich ein Grundschulkind am liebsten mit Babyspielzeug beschäftigt, sind hier Entwicklungsdefizite zu dokumentieren. Dazu gehören dann auch die Sprachentwicklung und der altersgemäße Wortschatz.


Ebenfalls wichtig ist das Verhalten. Ist es altersgemäß? Reagiert das Kind wie erwartet? Wie sieht das Sozialverhalten aus?


Kommt das Kind allein in die Schule? Kommt es alleine von der Schule wieder nach Hause? Sind die Zeiten für den Schulweg ungewöhnlich lang? Wie sind die Schulleistungen? Wie ist das Verhalten in der Schule?


Das sind jetzt nur einige Beispiele gewesen, welche eine Rolle spielen können. Je nach Fall liegt der Schwerpunkt woanders. Aber das wichtigste ist und bleibt, das Kind nicht besser darzustellen, als es ist.



Wie bereite ich den Besuch des MDK vor?


Bei der Beantragung der Pflegestufe sind ziemlich viele Fakten schon bekannt. Darum kann man eigentlich nicht viel vorbereiten.


Es macht zum Beispiel keinen Sinn, dem Kind „einzutrichtern“, es müsse sich an diesem Tag besonders gut benehmen. Es ist auch nicht sinnvoll, das Kinderzimmer aufzuräumen um „besser“ dazustehen. Gleiches gilt für den Rest der Wohnung. Wenn die Eltern viel Hausarbeit zugunsten des Kindes liegen lassen müssen (Wäsche, Küche, …), dann muss der MDK das sehen.


Was man – vielleicht – vorbereiten kann, ist eine Liste von Medikamenten, welches das Kind einnimmt. Möglich ist auch, eine Liste anzufertigen, in welcher die Probleme des ADHS-Kindes stichpunktartig aufgeschrieben werden. Ebenfalls könnte man eine Liste mit dringenden Prioritäten und weniger wichtigen Prioritäten aufschreiben.


Was sich immer gut macht, ist, wenn wichtige Unterlagen bereitliegen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Wenn es einen gibt den Behindertenausweis (und der Bescheid dazu)
  • Schulzeugnisse (können interessant sein)
  • Mitteilungen und Strafen (von der Schule)
  • Kontaktdaten der behandelnden Ärzte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater)
  • Krankenhausaufenthalte (einschließlich Arztberichte)
  • Genutzte Hilfsmittel (z.B. Windeln bei bettnässenden Kindern)
  • Liste der Medikamente (einschließlich Uhrzeit der Einnahme und Dosis)
  • besondere Ernährung



Muss ich vor dem MDK Angst haben?


Der MDK ist nicht der Feind. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen soll die Pflegebedürftigkeit feststellen und die richtige Pflegestufe festlegen. Sonst nichts. Sachlich gesehen ist er harmlos.


Emotional liegt die Sache anders. Denn immerhin kommen da fremde Menschen in meine Wohnung. Und denen muss ich sehr viele Dinge sagen, die sehr privat sind. Und ich muss über Dinge reden, die sehr intim sind. Es ist so, als würde jemand in mein Zuhause eingreifen. Ein Ort, den ich und meine Familie als sicheren Rückzugspunkt nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen eingerichtet haben.


Obwohl das vielleicht ein unangenehmer Besuch ist, so ist er dennoch nicht täglich. Und jene Menschen die vom MDK geschickt werden, sind auch nur Menschen. Und die haben im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit nur mit solchen Besuchen zu tun. Und die wissen, dass sich die Eltern hier in einer Situation befinden, die man nicht üben kann.


Hinzu kommt, dass der MDK der Schlüssel zu möglichen Hilfen ist. Und wenn das Gutachten dann fertig ist, dann kommen die (gewöhnlich) nur wieder, wenn sich etwas ändert – oder wenn erneut geprüft wird.


Lange Rede kurzer Sinn: Betrachten Sie den MDK nicht als Feind – und geben Sie sich offen. Auch wenn das ein paar Stunden unangenehm ist, mit Fremden über sehr private Sachen zu sprechen.

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