Ist ADHS heilbar?

Was macht eine medikamentöse Therapie genau?


Ritalin & Co beeinflusst den Botenstoffhaushalt im Gehirn. Ohne jetzt auf medizinische Details eingehen zu wollen, reguliert die medikamentöse Therapie jenen Botenstoffhaushalt dahingehend, wie er im gesunden Zustand wäre, läge kein ADHS vor. Die medikamentöse Einstellung ist daher besonders wichtig - und oft nicht ganz einfach. Oft vergehen einige Wochen, bis die richtige Dosierung gefunden wurde.


Durch die Medikation kann das Kind, bzw. auch der erwachsene ADHS-Betroffene, Dinge, die jeder gesunde Mensch auch kann. Darunter fällt eine Reizfilterung, eine größere Hemmschwelle bei Gefahren, eine bessere Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit, ein verbessertes erlernen und Abschätzen von "richtigem Verhalten". Und so weiter.


Im Grunde versetzt man den Patienten - Kind oder Erwachsener - in die Lage, die ein gesunder Mensch von Geburt an hat.


Die Herstellung der normalen Situation führt dann dazu, dass das von ADHS betroffene Kind in Bezugnahme auf schulisches und soziales Lernen überhaupt erst befähigt wird zu lernen. Gleiches gilt für den erwachsenen ADHS-Patienten. Natürlich nur altersentsprechend. Dazu gehören Ding wie beruflicher Erfolg und eine Besserung des Sozialverhaltens. Für Außenstehende ist dies meist unverständlich, und so siegen - leider - oft genug die Vorurteile und das "Wissen made by Fernsehen".



Begleitende Therapien


Eine medikamentöse Therapie wird - wenn Therapieplätze vorhanden sind - vor allem zu Beginn durch andere Therapien begleitet. Dazu gehören zum Beispiel Ergotherapie und Verhaltenstherapie bei Kindern. Da es aber nur wenige Therapieplätze gibt, sind die Wartelisten entsprechend lang. Wartezeiten von 12 Monaten und länger sind nichts ungewöhnliches. Für Erwachsene ist die Situation allerdings noch viel prekärer.


Eine "multimodale Therapie", wie sie von Fachleuten gern gefordert wird, ist in Deutschland schlicht unrealistisch und wird lediglich im Rahmen von Studien umgesetzt - weil dann auch das nötige Kapital und die erforderliche Personaldecke vorhanden ist.



Ziel der medikamentösen Behandlung bei ADHS


Ziel der Therapie mittels Medikamenten wie Ritalin oder Medikinet besteht darin, dass das Kind - bzw. der Erwachsene - lernt, mit seinen Defiziten umzugehen und sie auszugleichen. Mit anderen Worten: Der Patient soll lernen mit ADHS umzugehen. Erfahrungsgemäß tun sich Kinder damit aber sehr schwer. Dies macht eine längere Behandlung oft erforderlich.



Dauer der ADHS-Behandlung


Die Dauer der Therapie hängt grundsätzlich vom Therapieerfolg ab. Daher ist es sehr schwer zu sagen, ob nach 6 Monaten oder nach 6 Jahren auf eine medikamentöse Therapie künftig verzichtet werden kann, da das Kind / der Erwachsene dann selbstständig und selbst bestimmend zurechtkommt. Hier kommen viele Faktoren ins Spiel, welche den Therapieerfolg beeinflussen. Da sind negative Therapieerfahrungen, Ängste Fehler zu machen, Hemmungen sich jemanden anzuvertrauen, Reaktionen des sozialen Umfeldes und so weiter.


Um es nochmal klar zu sagen: Am Ende der Therapie ist ADHS nicht geheilt, sondern der Patient hat gelernt damit umzugehen.



Werden alle ADHS-Patienten medikamentös behandelt?


Zu berücksichtigen gilt es auch, das längst nicht alle ADHS-Patienten einer medikamentösen Behandlung bedürfen. Ob eine medikamentöse Behandlung angezeigt ist oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab, die der behandelnde Arzt mit den Eltern, bzw. mit dem erwachsenen Patienten, zusammen abwägen muss. Je mehr Informationen dem Arzt zur Verfügung stehen, desto besser ist die Entscheidung.


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