Akustik und ADHS

Akustik filtern


Geräusche bieten viel Raum für Ablenkung in der Schule. Ein Gemurmel hier, ein Schwätzchen da. Drüben fällt ein Stift auf den Boden, in der anderen Ecke wird ein Heft gefaltet. Am Nebentisch werden Sticker getauscht.


Aber auch der Alltag ist mit Geräuschen und Lärm überfrachtet. Autos, Vögel, Wind, Fußgänger, Blätterrascheln, und so weiter.


Unser Leben ist voll von Geräuschen. Je älter wir werden, desto weniger nehmen wir diese Geräusche war. Wir filtern nur die für uns wichtigen Geräusche heraus. Zum Beispiel hören wir bei einem Gespräch unserem Gesprächspartner zu. Der vorbeifahrende Bus wird ignoriert und nicht wahrgenommen. Auch was an den umstehenden Tischen passiert, filtern wir unbewusst heraus.


Die akustische Filterfunktion ist für einen gesunden Menschen etwas, das er von Geburt an lernt. Babys und Kleinkinder sind durch Geräusche viel leichter abzulenken, als Jugendliche oder Erwachsene. Für den gesunden Menschen ist die Filteroption etwas Alltägliches. Den meisten wird das erst bewusst, wenn sie darüber nachdenken.


Eben jene Filterfunktion ist bei ADHS entweder schlecht ausgebildet oder gar nicht vorhanden. Alle Geräusche haben für das Gehirn die gleiche Wertigkeit. Das bedeutet, dass das Gehirn versucht, jedem Geräusch die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Der zwitschernde Vogel im Baum wird genauso behandelt, wie der weit entfernt hörbare Zug.


Kennen Sie die Situation, in welcher Sie erwarten, dass ihr Kind sie ansieht, und trotz wiederholter Aufforderung immer wieder wegsieht? Ein Grund kann sein, dass ihr Kind etwas gehört hat. Möglich ist hier auch, dass die Eltern das gar nicht hören können, was ihr ADHS-Kind gehört hat, weil wir Erwachsene vieles einfach ausblenden und filtern können. Hier kann es leicht zu Missverständnissen zwischen Eltern und Kind kommen.


Oder kennen Sie das? Die Eltern rufen zum Frühstück. Niemand kommt. Das ADHS-Kind hat es zwar gehört, konnte es aber nicht als eine wichtige Information erkennen. Die Worte „fliegen einfach am Kind vorbei“.



Muss jetzt alles hingenommen werden?


ADHS darf keine Ausrede sein. Trotzdem darf man ADHS berücksichtigen. Wichtig ist nämlich, dass die ADHS-Kinder lernen, wie sie mit ihrer Umwelt umgehen können. Und der richtige Umgang mit Geräuschen und Akustik gehört unweigerlich dazu. Und mehr noch: Es ist von großer Bedeutung. Denn Geräusche schützen zum Beispiel im Straßenverkehr vor Unfällen. Oft kann man ein heranfahrendes Auto schon hören, aber nicht sehen. Der richtige Umgang mit den Ohren will also geübt werden. Denn nur ein geübtes Gehör kann auch gute Arbeit leisten.



Was kann man tun


Wie man sich mit ADHS fühlt, kann man selbst austesten. Einfach mal ein paar Minuten konzentriert die eigene Umgebung wahrnehmen. Und dann alles aufschreiben, was man gehört hat. Autos, ein bellender Hund, spielende Kinder, Vögel, Wind, …. Und jetzt holen Sie ihr Handy heraus, und schreiben an jemanden eine E-Mail. Wenn die Mail fertig und abgeschickt ist … was haben Sie während des Schreibens gehört?


Diese Übung soll zeigen, dass es ziemlich schwierig ist, die Filterfunktion des Gehörs (des Gehirns) zu trainieren oder zu überlisten. Als Erwachsener hat sich längst ein Automatismus eingeschlichen, den wir kaum kontrollieren können.


Der Besuch eines Kinos kann für ADHS-Kinder -und ADHS Erwachsene – etwas unglaublich Nervtötendes sein.


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