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Stellungnahmen

Stellungnahme: Zocker schlucken Adderall?

In den letzten Tagen hört oder liest man in den Medien, dass Computergamer mittels Adderall ihre Leistung steigern. Es gibt dazu inzwischen viele Thesen und Behauptungen, von denen die meisten nicht mal ansatzweise verstanden haben, was Adderall ist, wozu es bestimmt ist und was hinter ADHS steckt.

 

Was ist Adderall? Wozu wird es genutzt?

Amphetamin wurde 1887 erstmals erfolgreich synthetisiert, und trägt seit 1935 zur Behandlung von Narkolepsie bei. Seitdem konnte die "Schlafkrankheit" besser behandelt werden, und den Patienten wurde ein normales Leben ermöglicht.

Die stimulierende Wirkung von Amphetamin (Dexamphetamin) hat seit 1948 in den USA noch ein weiteres Anwendungsgebiet: ADHS. Die stimulierende Wirkung zeigt auch hier Erfolge bei der Behandlung von Kindern, welche vom Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom betroffen sind.

In Deutschland gibt es den Amphetaminsaft, welcher in der Apotheke frisch zubereitet werden muss. In Kapselform ist der Handelsname Adderall.

 

Das Suchtpotential

Das Amphetamin ein Suchtpotential besitzt, ist keine neue Erkenntnis. Seit über 100 Jahren ist das bekannt. In der Presse wird dies jedoch sehr aufgebauscht, als sei es die Entdeckung des Jahrhunderts.

Was die Medien weglassen: Unter medizinischer Aufsicht, und unter bestimmungsgemäßem Gebrauch, ist das tatsächliche Suchtpotential gering.

Amphetamin ist nicht frei verkäuflich und fällt aufgrund seiner Eigenschaften unter das Betäubungsmittelgesetz. Um in den Besitz zu kommen, braucht es eine fachliche Diagnose und ein BTM-Rezept. Der angeblich massenhafte Missbrauch von Adderall, bzw. von Amphetaminen ist sehr unwahrscheinlich.

Gäbe es einen massenhaften Substanzmissbrauch, stellt sich die Frage, wer es vertreibt, und wie er es bekommt.

 

Die "Gamerszene"

Die Gamerszene, insbesondere jene, die beruflich Computer spielen, haben große körperliche Leistung zu bringen. Dazu gehört auch ein langes Durchhaltevermögen, lang anhaltende Konzentration und gute feinmotorische Fähigkeiten.

Ein Gamer, der behauptet "Wir waren alle auf Adderall", kann schlimmstenfalls auf der falschen Party gewesen sein. Auf den großen Bühnen der Zocker werden Medikamente wie Adderall nicht genutzt. Zum einen weil es ein echtes Suchtpotential hat, wenn keine echte Diagnose, und kein Arzt die Einnahme festlegt und überwacht.

Zum anderen sind die Nebenwirkungen für einen echten Spieler zu risikoreich. Je nach Dosis bleibt die gewünschte Wirkung, wie geringes Schlafbedürfnis und erhöhte Konzentrationsfähigkeit, aus. Stattdessen gibt es andere Risiken und Nebenwirkungen durch Amphetamin wie Agitation (fahrige Bewegungsabläufe), Tremor (Zittern), Logorrhoe (Sprechdurchfall) und Tunnelblick.

Der Substanzmissbrauch von Adderall ist für Profigamer ein NoGo. Gelegenheitszocker, Teenager und junge Erwachsene haben zu wenig Interesse daran, weil der Besitz und der Mißbrauch strafbar sind. Außerdem ist es – wie gesagt – sehr schwer zu beschaffen.

Die Panikmache ist unbegründet – sorgt aber für Werbeumsatz. Und Letzteres ist das primäre Ziel einer mangelhaft recherchierten Berichterstattung. Die Panikmache, sowie die pauschalen Aussagen zu ADHS - mit denen die ADHS-Patienten dann konfrontiert werden -, sind Bauernopfer. Leider.


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Im übrigen ist es ganz schön dreist, von der Aussage einer einzigen Person - sofern es die wirklich gibt - auf alle anderen (Profi) Computerspieler zu schließen. Natürlich fühlt sich das in den Presseberichten so an, weil es sich so anfühlen soll. Es ist nicht das erste Mal das der "deutsche Qualitätsjournalismus" Geschichten erfindet - darum ist auch niemand bereit für die Pressearbeit Geld hinzulegen.

Der Spieler, der behauptet, das "alle auf Adderall" waren, müsste sich von der Polizei auch viele unangenehme Fragen stellen lassen. Das hat - laut Medienberichten - nicht stattgefunden. Bei einem solchen Massenmissbrauch - wie diverse Website behaupten -, hätte es auch politische Reaktionen geben müssen. Mindestens die Bundesdrogenbeautragte hätte sich dem Thema annehmen müssen. Hat sie aber nicht.

Die Berichterstattung der Medien lässt viele Fragen offen. Absichtlich.

   

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