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§§ Recht

Scheidungskinder haben es schwer

Kinder, deren Eltern in Scheidung leben, stehen oft am Rande des Abgrunds, weil die Eltern sich nicht einigen können oder sich nicht einigen wollen. Leidet das Kind auch noch an ADHS, steht die Frage der richtigen Therapie im Raum. Diese Entscheidung müssen die Eltern gemeinsam treffen, wenn beide Elternteile das Sorgerecht haben (gemeinsames Sorgerecht).

Leben die Eltern getrennt, und haben das gemeinsame Sorgerecht, müssen einige Entscheidungen gemäß §1687 BGB grundsätzlich gemeinsam getroffen werden. Zu solchen Entscheidungen die gemeinsam getroffen werden müssen gehören

  • Wahl des Kindergartens
  • Auswahl der Schule und der weiterführenden Schule
  • Entscheidung über die Ausbildung
  • Medizinische Maßnahmen, die mit Komplikationen oder Nebenwirkungen verbunden sein können, wie zum Beispiel Operationen oder eine längerfristige medikamentöse Behandlung.

Vor allem der letzte Punkt ist bei ADHS-Kindern ganz entscheidend. Denn wenn ein Elternteil einer medizinischen Maßnahme nicht zustimmt, erhält das Kind eine nötige Behandlung nicht.

Bei Zustimmungsverweigerung des jeweiligen Elternteils geht es oftmals gar nicht darum, dem Kind eine Behandlung zu verweigern, sondern darum, sich am ehemaligen Lebenspartner zu rächen. Die Zeche der Rache zahlt dann das Kind. Aber dies lässt die Elternteile gewöhnlich eiskalt.

Ein anderer Grund ist die Weltanschauung. In der modernen Zeit lehnen Eltern eine Therapie, sei es medikamentös (z.B. Ritalin; Medikinet, etc.) oder eine andere, einfach aus ideologischen Gründen ab. Sie beharren darauf, dass man ADHS mit Globuli heilen kann oder behaupten, dass es gar kein ADHS sei, sondern die schlechte Erziehung des anderen Elternteils.

Obwohl der eine Elternteil dem anderen Elternteil Schaden zufügen will, ist das Kind die eigentliche geschädigte Person. Und das Kind kann sich nicht wehren. Wenn Mama und Papa streiten, sind die Kinder die wahren Opfer die ernst zu nehmenden Schaden erleiden.

 

Aber was kann ich tun?

Im §1687 BGB Absatz 2 steht geschrieben, dass die Befugnisse eines Elternteils beschränkt oder sogar ausgeschlossen werden können. Allerdings bedarf es dazu ein gültiges Urteil des Familiengerichts. Das Familiengericht muss dabei feststellen, dass ein Elternteil das Wohl des Kindes gefährdet.

Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass das Elternteil, das eine Entscheidung ablehnt oder seine Zustimmung verweigert, automatisch das Wohl des Kindes gefährdet. Doch ganz so einfach ist es nicht. Das gilt bei der Frage nach der Schulwahl genauso wie bei medizinischen Notwendigkeiten.

Fakt ist, das hier viele Details mit reinspielen. Und man kann keine Rechtssichere Aussage machen, ohne die vielen Details zu kennen und zu berücksichtigen.

Das Problem liegt auf der Hand: Wenn ein Elternteil seine Zustimmung verweigert, und das Gericht das Wohl des Kindes dadurch als gefährdet einstuft, stellt sich sofort die Frage, ob das Elternteil auch gegen andere Gesetze verstoßen hat.

 

Das alleinige Sorgerecht bei ADHS-Kindern?

Das einfachste ist deshalb, wenn ein Elternteil das alleinige Sorgerecht hat. Denn dann ist das Kind vor Racheaktionen verhältnismäßig gesehen sicher.

Landet das Kind aber beim „falschen“ Elternteil, hat das andere Elternteil keine „Rechte am Kind“.

Das alleinige Sorgerecht kann also eine Lösung, als auch eine Gefahr. Ob jetzt das alleinige Sorgerecht oder das gemeinsame Sorgerecht besser ist, muss im Einzelfall entschieden werden.

 

Fazit:

Der Weg zum Anwalt bleibt den wenigsten erspart. Eine traurige Tatsache – leider.

 

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