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ADHS bei Kindern

Modellernen bei ADHS

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu lernen. Das gilt nicht nur für schulisches oder fachliches Wissen, sondern auch für Verhalten und andere Lernziele. Die meisten finden unbewusst in jeder Familie mehrfach am Tage statt, ohne dass den Eltern der Vorgang bewusst ist. Wenn man aber davon weiß, oder zumindest eine Vorstellung davon hat, wie etwas beim Kind ankommt, dann kann man "besser wirken".

 

Lernen am Model

Lernen am Model bedeutet nichts anderes als dass sich das Kind – egal ob Junge oder Mädchen -, eine andere Person zu Vorbild nimmt. Das müssen aber nicht zwingend die eigenen Eltern sein. Und genau hier liegt die Schwierigkeit. Denn erkennt ein Kind die Eltern nicht als Vorbild an, dann wird aus der Theorie des Modellernens keine Praxis.

Gewöhnlich schauen sich Kinder - unabhängig von ADHS - immer auch viel von den Eltern ab. Kinder unterscheiden dabei aber nicht zwischen gutem und schlechtem Verhalten. Gleiches gilt für die Eltern. Sie machen sich gewöhnlich keine Gedanken um ihre Vorbildfunktion.

ADHS-Kinder, die schnell ausrasten, haben oft auch Eltern, welche ebenfalls schnell ausrasten. Das ist auch wenig überraschend. Denn wenn die Kinder von ADHS betroffen sind, ist es auch ein Elternteil. Die Situation schaukelt sich hoch, und eine Familienkrise entsteht.

 

Umlenken und anders denken

Der erste und wichtigste Schritt muss also sein, dass sich die Eltern ihrer eigenen Vorbildfunktion bewusst werden. Nur dann können sie besonnen reagieren, und eine Situation mit schwieriger Sachlage sicher in den Griff bekommen.

Kinder mit ADHS lernen hier gleich mehrfach. Zuerst geht es darum, wie eine Situation behandelt werden kann. Dann geht es darum, eine Sachlage richtig einzuschätzen, zu prüfen und um dann entspannt einen Ausweg zu finden – und umzusetzen.

 

Am Anfang ist es paradox

Ein umgeworfenes Glas macht Scherben und macht eine Pfütze auf dem Tisch. Die meisten Eltern würden jetzt schimpfen, oder dumme Killerphrasen von sich geben. Statt dessen entspannen sie sich. Sie holen einen Lappen, wischen den Tisch sauber, und die Scherben kommen in den Müll. Fertig.

Das nächste Mal muss die Aufgabe vom Kind erledigt werden. Der Lerneffekt stellt sich ein.

 

Vorbeugend handeln

Oft haben ADHS-Kinder einfach nicht die geistige oder emotionale Reife, um eine Lage richtig einschätzen zu können. Deshalb ist es immer auch wichtig, dass die Person mit der Vorbildfunktion – meist die Eltern -, auch vorbeugend handelt. Ist die Sache mit dem umgeworfenen Glas wie oben nicht umsetzbar, dann müssen die Gläser eben durch Becher ersetzt werden.

 

Medikamente ersetzen die Vorbildfunktion nicht

Das Lernen am Model ist etwas, das man nicht durch die Gabe von Medikinet, Ritalin oder sonst ein Medikament zur Behandlung von ADHS ersetzen kann. Im Falle einer medikamentösen Behandlung von ADHS ist es aber so, dass eben genau diese Vorbildfunktion mit ganz feinen Antennen von den Kindern erforscht, aufgenommen und nachgemacht wird.

 


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Und ohne Medikamente?

Natürlich findet diese Form des Lernens auch statt, wenn es keine medikamentöse Behandlung gibt. Hier gestaltet sich der Prozess im Kern identisch.

Eltern sind immer Vorbild! Immer! Eltern sind daher gut beraten, ihr eigenes Verhalten zu überprüfen und zu reflektieren. Der Ehemann / die Ehefrau eignet sich dazu am besten, weil er / sie die häusliche Situation so gut kennt, wie kein anderer.

Das Credo muss sein: Ich zeige meinem Kind das Verhalten, was ich mir von meinem Sohn / meiner Tochter wünsche.

 

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