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ADHS bei Kindern

ADHS Kinderzimmer aufräumen

Kinderzimmer aufräumen mit ADHS-Kindern

Das Kinderzimmer sieht aus, als wäre hier erst kürzlich eine Bombe explodiert. Der Teppich lässt sich nur noch erahnen. Der Schreibtisch ist hoffnungslos überfüllt. Dem Kleiderschrank fehlt rechts die Tür schon lange - und die linke Schranktür lässt sich auch nicht mehr schließen. Überall liegt Spielzeug, Kleidung, CDs, Schulsachen und anderes Zeug herum. Ein Chaos wie man es sich nur schwer vorstellen kann. Aber genau dies ist bei ADHS-Kindern viel zu oft der gelebte Alltag. Und weil es für sie normal geworden ist, ändern sie nichts.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Hier handelt es sich nicht um ein schlampiges Kind, oder um faule Eltern. Das chaotische Kinderzimmer ist ein Symptom von ADHS. Stichworte sind hier Reizüberflutung, Konzentrationsschwierigkeiten und eine hohe Ablenkbarkeit. Das Kinderzimmer gilt unter erfahrenen Pädagogen "im geheimen" als Spiegelbild vom Inneren des ADHS-Kindes. Je schlimmer der Zustand des Kinderzimmers ist, desto stärker das ADHS.

Zwischendurch wird es den Eltern dann doch mal zu bunt. Und dann wird das Kind aufgefordert, sein Zimmer aufzuräumen. Aus dieser einmaligen Situation die sich alle paar Wochen wiederholt, entsteht am Ende ein heftiger Streit zwischen Kindern und Eltern. Da können dann auch mal die Türen fliegen. Was eigentlich einfach klingt, endet für das ADHS-Kind in einem Wutanfall. Die Eltern geraten dabei auch in einen Streit, bei dem es sich vorrangig um Erziehungsfragen handelt.

Eine Alltägliche Aufgabe bringt eine Familie, bei der ADHS eine Rolle spielt, an ihre Grenzen. Aber was, wenn das Mittel der „Wuthöhle“ und gutgemeinten Tipps von Freunden, Verwandten nicht mehr ausreichen – und man diese auch schon lange nicht mehr hören kann? Was kann ich als Eltern noch machen, wenn eigentlich nichts mehr geht?

Gerade das Thema Ordnung und Sauberkeit bietet viel Potential, um sich in eine Situation zu bringen, bei der man schnell versagt. Eltern werden dann sehr schnell das Feindbild für ihr Kind. Und ist man an diesem Punkt angelangt, ist ein „zurück“ äußerst schwierig. Im Folgenden zeigen wir Wege aus dem Chaos auf. Wählen Sie jedoch eine dieser Strategien nur dann für sich aus, wenn Sie selbst wirklich auch hinter der Methode stehen. Sie müssen in dieser wichtigen Frage unbedingt authentisch auftreten. Bereits das kleinste Nachlassen, kann die Sache zum Abbruch führen.

 

Ordnung im Kinderzimmer ist zwingend notwendig. Aus zwei Gründen:

1.Ordnung braucht es später im Berufsleben. Ordnung schafft im Berufsleben Überblick und Sicherheit (Unfallverhütung). Unfallverhütung lernen Kinder am besten, wenn sie ihr eigenes Zimmer haben, und dafür auch die Verantwortung tragen.

2. Ein aufgeräumtes und ordentliches Kinderzimmer schafft optische Ruhe. Wenn viele Sachen herumliegen, dann kann sich das Auge nicht auf das Wesentliche im Raum konzentrieren, weil es mit optischen Reizen überflutet wird. Chaos im Zimmer = Chaos im Kopf.

Um Reizüberflutung durch die Möbel zu verhindern, empfiehlt es sich, geschlossene Schränke im Kinderzimmer zu verwenden. Offene Regale mit tausend Sachen schaffen eine überreizte Atmosphäre. Das Kind kommt bei „offenen Schränken“ innerlich nicht zur Ruhe.

 

SOS im Kinderzimmer bei ADHS

SOS steht in diesem Fall für

Sicherheit

Ordnung

Sauberkeit

Sicherheit durch Ordnung, weil man nicht über Sachen stolpert.

Ordnung schafft einen besseren und schnelleren Zugriff auf gesuchte Sachen, wie Kleidung, Spielzeug, Schulsachen

Sauberkeit schafft eine heimische und angenehme Atmosphäre. Das Kind hält sich gerne in seinem eigenen „Nest“ auf, weil es sich dort wohl fühlt.

 

Der Aufräum-Tag

Eines der gängigsten Modelle ist der berühmte "Aufräum-Tag". Es handelt sich dabei um einen Tag in der Woche - der Sonntag eignet sich dafür am besten - an dem nur aufräumen angesagt ist. Planen Sie am besten den ganzen Tag dafür ein, alles andere ist i.d.R. unrealistisch (vor allem beim ersten Mal). Dieses Konzept klingt ganz einfach, doch wer ein „ADHS-Kind“ hat, der weiß dass es sich dabei vielmehr um ein Konzept für einen Kampf handelt, als um ein einfaches Konzept zum Aufräumen. Deshalb einige Anmerkungen dazu.

Lassen Sie das Kind beim Aufräumen (auch im Jugendalter) nicht alleine aufräumen. Steht ein Kind vor seinem Zimmer, so wird es von seinem Chaos erschlagen und resigniert (=aufgaben) schon vor dem ersten Handgriff. Räumt man mit dem Kind gemeinsam auf, ist es für das ADHS-Kind leichter. Denn das ADHS-Kind sieht sich dem chaotischen Haufen Zeug im Zimmer nicht völlig allein ausgesetzt.

Zum anderen haben Sie als Eltern die Möglichkeit das Zimmer zu inspizieren. Sie verschaffen sich dadurch einen Überblick über den "Bestand" im Kinderzimmer. In aller Regel finden Eltern auch Sachen wieder, die sie schon vor langer Zeit abgeschrieben haben.

Um sich einen guten Überblick zu verschaffen, ist es sinnvoll alles am Boden liegende und alle anderen Sachen die aufgeräumt werden müssen – inkl. Kleidungsstücke & Co. – in ein großes offenes Behältnis (z.B. Wäschekorb oder mehrere Wäschekörbe) zu befördern und dann Teil für Teil aufzuräumen. Auf diese Weise lernt das Kind sein eigenes Zimmer kennen, jede Woche neu. Schränke zu nutzen muss ebenso wie das Laufen oder Radfahren gelernt werden. Und das geht nur mit regelmäßiger Übung.

Sie werden vermutlich auch immer wieder Sachen finden, die nicht so toll sind. Dazu gehören u.a. vergammeltes Obst, Pausenbrote, volle Gläser und verschüttete Flüssigkeiten (max. eine Woche alt bei Anwendung dieser Taktik). Längst verschollene Fernbedienungen, und anderes technisches Gerät und „geflutete“ (sprich eingepiselte oder verkotete) Kleidung gehören gewöhnlich auch dazu.

Haben Sie einen Sohn der geschlechtsreif ist, könnten Sie auch Taschentücher oder Unterhosen mit einer weißen vertrockneten Flüssigkeit finden. Im Jugendalter ist das allerdings normal wenn der "Knilch" Änderungen an seinem Körper vorfindet und sich – wie es für Kinder üblich ist – sich ausprobiert. Räumen Sie „Beweise stillschwaigend in die Waschmaschine. Jede Diskussion darüber sollten Sie unterlassen, und die Privatsphäre respektieren.

 

Der blaue Müllsack

Wenn patu nicht aufgeräumt werden will, gibt es nur eine Schlussfolgerung: Ihr Kind hat zu viele Sachen und es kommt damit nicht klar. Packen Sie alles, was nicht aufgeräumt ist in einen Müllsack (möglicherweise brauchen Sie auch mehrere) und lassen Sie diesen verschwinden – z.B. im Keller. Sammeln Sie alles ein und halten Sie es unter Verschluss. Die Sachen kommen erst wieder hoch, wenn ihr Kind bereit ist aufzuräumen. Und dann am besten Stück für Stück aufräumen.

Diese Maßnahme scheitert jedoch in aller Regel an der elterlichen Inkonsequenz. Wird jedoch durchgehalten, greift die Maßnahme gewöhnlich recht gut. Bereits die Androhung wirkt später wahre Wunder.

 

Die "Weniger ist mehr" – Taktik

Ist das Kinderzimmer ständig "dicht" und überfüllt, so muss man sich überlegen, welche Sachen unbedingt gebraucht werden und was tatsächlich zu viel ist. Zu viel, damit sind Sachen gemeint wie z.B.:

  • Spielzeug, mit dem nicht mehr gespielt wird
  • Kleidungsstücke, die nicht mehr in die Schränke passen oder gar nicht angezogen werden
  • Überflüssige Möbelstücke (Nehmen auch Platz zum Spielen weg)
  • Etc.

Kurz: Alles was am Boden liegt und nicht aufgeräumt wird ist zu viel.

Und ganz wichtig: Bei Neuanschaffungen ist es zwingend erforderlich, das ihr Kind – oder Sie selbst – erst mal einen „Platznachweis“ erbringen muss. Schaffen Sie also nichts an, von dem Sie gar nicht wissen, wo es seinen aufgeräumten Platz haben wird.

 

Dran bleiben als Schlüsselfaktor

Gerade bei ADHS ist eine gleichbleibende Kontinuität sehr wichtig. Im Klartext bedeutet dass, das Sie als Eltern unbedingt dran bleiben müssen. Einmaliges Aufräumen eines Kinderzimmers hat nämlich keinen Lerneffekt. Die zeitlichen Abstände sollten deshalb auch nicht zu groß werden. Denn je größer der zeitliche Abstand von Aufräumen zu Aufräumen macht das Chaos nur größer und damit schwieriger es zu bewältigen. Und am Ende muss der innere Schweinehund auch noch überwindet werden – nicht nur Seitens des ADHS-Kindes, sondern auch von der elterlichen Seite.

Das Motto ist also: Dran bleiben.

 


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Symptomtoleranz bei ADHS

Gerade auch in der Frage der Ordnung, müssen Eltern bei ihrem von ADHS betroffenen Kindes Symptomtoleranz üben. Denken Sie bitte immer daran, dass ihr Kind sie nicht absichtlich ärgert. Nehmen Sie als Eltern das Kinderzimmer viel mehr als ein Indiz für das Innenleben des Kindes. Nehmen Sie es als eine Art „Chaosbarometer“, auf dem Sie ablesen können, wie in ihrem Kind aussieht.

Strafen und Verbote sollten hier lieber keinen Platz finden. Streichen Sie solche Maßnahmen lieber ersatzlos. Denn die Aufgabe „Zimmer aufräumen“ ist schon hart genug – für ADHS-Kinder.

Knackpunkt ist natürlich das Sie als Eltern von ihrem Kind schlecht etwas verlangen können, wenn Sie es als Eltern selbst nicht schaffen ... Denken Sie deshalb unbedingt an ihre Vorbildfunktion!

 

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